Remote Working in Thailand – Der Selbsttest

Remote Working in Thailand

Was könnte es Schöneres geben, als auf einer tropischen Insel bei Sonnenschein, 30°C im Schatten unter Palmen mit endlosem Blick über‘s Meer arbeiten zu können? Statt der üblichen Kaffeepause gönnt man sich eine Abkühlung im Pool und schlürft eine frisch geerntete Kokosnuss. Das ist ein Traum, den ich schon lange träume und mir dank meiner Berufs- und vor allem Firmenwahl nun endlich für eine Woche erfüllen konnte. Ich hatte das große Glück, als Versuchskaninchen meinen Thailand-Urlaub um eine weitere Woche Remote Office verlängern zu dürfen – um für mich selbst, aber auch für mein Unternehmen erste Erfahrungen im Remote Working zu sammeln. Diese möchte ich nun gerne mit euch teilen, da ich überzeugt bin, dass so etwas mit der entsprechenden Vorbereitung auch bei anderen Bildschirmarbeitern sehr gut funktionieren kann und dann einen gelungenen Ausgleich zum Arbeitsalltag bietet und vor allem neue Motivation liefert.

Was man dafür braucht

Remote Working in Thailand

Als Software-Entwickler ist die Frage schnell beantwortet: neben einem arbeitstauglichen und vollständig dafür eingerichteten Laptop* bedarf es nur einen für die Arbeit geeigneten Ort mit stabiler Strom- und Internet-Anbindung. Was ein für die Arbeit geeigneter Ort ist, sollte bereits jeder in seiner bisherigen Arbeit für sich herausgefunden haben. Die einen hören beim Arbeiten Musik und sind im Großraumbüro bestens aufgehoben (ich habe während meines Urlaubs in Thailand einen Remote Worker getroffen, der bei mittelmäßiger Partystimmung in einer Backpacker-Bar seelenruhig vor sich hin programmierte), ich für meinen Teil ziehe eine ruhige Geräuschkulisse vor und habe mich daher für einen vergleichsweise einsamen Bungalow am Strand entschieden. Entscheidend ist hier wie auch sonst, dass dem Arbeitsfluss nichts im Weg steht. Als weiteres Equipment, z.B. für Meetings ins Büro, macht ein Headset und eine Webcam absolut Sinn. Für normale Menschen, die sich bei den hohen Temperaturen im Gegensatz zu mir nicht wohlfühlen, empfiehlt sich außerdem ein Ort mit  Klimaanlage – in Thailand ist bei 30°C Raumtemperatur noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Die etwas luxuriösere Alternative (im Idealfall als Addon) ist allerdings ein Pool. Zu guter Letzt benötigt man etwas gefährlich Unscheinbares und doch besonders Wichtiges: die richtige Einstellung. Ohne die nötige Konsequenz und Arbeitsmoral wird es auf keinen Fall funktionieren, an einem solch paradiesischen Ort zu arbeiten, der selbst beim kürzesten Aufblicken vom Bildschirm auf vielfältige Weise zur Erholung einlädt. Es müssen ganz klare Tagesziele gesetzt werden und die Aufgaben, die man erledigen möchte und in der Zeit erledigen kann, notieren, abarbeiten und am Ende des Tages für sich selbst in einem Resümee zusammengefasst werden.

* Profitipp: Unter einem eingerichteten Laptop versteht man einen Laptop, auf dem sämtliche Technologien (IDEs, Tools, Libraries, Software, …), die man potentiell zum Arbeiten benötigen KÖNNTE, installiert und getestet sind. Andernfalls wird unter Garantie irgendein Projekt, das längst abgeschlossen wurde und mit dem man eigentlich nichts mehr zu tun zu haben glaubt, ganz urplötzlich in besagter Remote Woche wieder zum Leben erwachen – und dann alles nachträglich einzurichten kostet unnötig Zeit und Nerven.

Die Zeitverschiebung

Thailand ist Deutschland 5 Stunden voraus. Ich habe daher immer erst zwischen 12 und 14 Uhr angefangen zu arbeiten, somit haben sich meine Arbeitszeiten fast komplett mit den Arbeitszeiten in Deutschland gedeckt. In der Mittagssonne kann man sich ohnehin nicht in der Sonne aufhalten und wenn man früh genug aufsteht, kann man den kompletten Vormittag genießen. Je nachdem, wie viel Absprache mit Kollegen oder Kunden benötigt wird, kann man den üblichen 8 Stunden Tag auch aufsplitten und früh morgens anfangen, den kompletten Mittag in der bratenden Hitze genießen und abends die zweite Hälfte abarbeiten. Es wird bereits um 19 Uhr dunkel, daher verpasst man dann abends nicht mehr viel vom Wetter – was eine Spätschicht sehr viel verschmerzbarer macht als in Deutschland. Insgesamt finde ich, dass die Zeitverschiebung im Fall Deutschland <> Thailand überhaupt kein Problem darstellt.

Die Gefahren

Remote Working in Thailand

Der Blick aufs Meer und auf den Pool sind natürlich sehr tückisch, denn ach wie schön wäre es jetzt eine Runde plantschen zu gehen und Schmetterlinge vor dem Ertrinken zu retten, die Seele baumeln zu lassen, auf der Luftmatratze über die Wellen zu gleiten, und was ist denn das für ein süßer Gecko der hier gerade über meinen Schreibtisch scharwenzelt? Im Büro kriegt es ja eh keiner mit wenn ich mich kurz erfrische, denn online bin ich sowieso. Auch ein Mittagschläfchen ist bei den Temperaturen eine große Wohltat.

Zum Glück gibt’s ja auch hier eine Mittagspause (die eher eine Abendpause ist), die man für genau solche Bedürfnisse nutzen kann. Wenn man nur eingeschränkt Zeit zum Genießen hat, wird auf jeden Fall mindestens doppelt genossen! Man kann sich auch einen Task vornehmen und sich selbst belohnen, sobald man den Task abgeschlossen hat.

Wirklich stark muss man sein, wenn man nicht alleine reist und der/die Reisepartner/in nicht arbeiten muss.

Insgesamt habe ich in der Woche die Erfahrung gemacht, dass das mit der entsprechenden Motivation und Konsequenz aber auch kein wirkliches Problem ist. Ich hatte sogar das Gefühl, dass ich fokussierter als sonst gearbeitet habe, da meine Motivation, dieses Experiment als erfolgreich abzuschließen, sehr hoch war.

Fazit

Remote Working in Thailand

Funktionieren kann das Arbeiten im Paradies nur, wenn man der passende Typ Mensch dafür ist. Selbstständiges und konsequentes Arbeiten ist absolut Pflicht, man muss geübt sein im Widerstehen und viel mit dem Belohnungsprinzip arbeiten. Absprachen ins Büro funktionieren meistens per Chat und Telefon, sind aber sehr ungewohnt und manchmal nicht ganz zielführend. Die ganzen Kleinigkeiten bekommt man auch nicht mit, es sei denn man hakt aktiv nach. Am einfachsten ist es, wenn die Tasks zum Arbeitsbeginn schon feststehen und wenig komplizierte Absprachen erforderlich sind. Dann klappt das auch mit einer flexiblen Zeiteinteilung.

Wenn man diese Voraussetzungen gewissenhaft erfüllen kann, steht einer Remote Office Zeit nichts im Wege und jeder der die Möglichkeit hat, so etwas zu tun, sollte die Chance nutzen diese Erfahrung zu machen.

Dennoch: dauerhaft remote zu arbeiten wäre für mich persönlich nichts. Es würden mir bereits nach wenigen Wochen die soziale Komponente und der persönliche Austausch fehlen. Wenn man gerne in einer Firma arbeitet und sich nicht jeden Morgen mühevoll aus dem Bett quälen muss, weil man denkt „Mist, schon wieder arbeiten“, dann erkennt man spätestens nach einer Woche Remote Arbeit, was eine Firma und ein gutes Arbeitsklima neben dem Gehaltsscheck am Ende des Monats noch wertvoll macht. Dazu zählen auf jeden Fall die Kollegen, mit denen man sich zusammen über Erfolge freut und gemeinsam über Niederlagen aufregt, bei Problemen direkt einen Ansprechpartner hat und mit denen man bei gemeinsamen Mittagspausen Kraft für den Rest des Tages tanken kann.

Was ich mir allerdings sehr gut vorstellen könnte, wäre eine Woche im Team remote zu arbeiten. So könnte auch jeder herausfinden, ob und unter welchen Umständen er der Mensch für so etwas ist.