Wissensmanagement

Wissen, was gewusst werden muss: Frag‘ den Neuen!

Wer sich mit dem Thema Wissensmanagement beschäftigt, stößt unweigerlich auf die Herausforderung, zu definieren, wo Wissensmanagement überhaupt anfängt und wo es seine Grenzen hat. Der Markt schreit: „Web-Anwendungen! Das ist Wissensmanagement 3.0!“, „WiKis! Wissen zentral bündeln!“ oder „Social Networks! Wissensmanagement und Mitarbeiterbindung!“

Die Herausforderung: Wissen, was man überhaupt wissen will…

All diese Produkte, die heute im Zuge des Wissensmanagements zum Einsatz kommen, fokussieren sich auf die technischen Möglichkeiten, Wissen zu erfassen und bereitzustellen. Aber wissen Sie denn auch, welches Wissen Sie erfassen und bereitstellen möchten? Ohne Frage: Ein SharePoint ist „cool“ und mächtig, das Konzept eines Social Networks findet speziell in der Arbeitnehmergruppe der Digital Natives großen Anklang.

Wissensmanagement fängt aber an anderer Stelle an. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, wann, wo, in welcher Art und in welchem Umfang Wissen benötigt wird und bereitgestellt werden muss. Nur dann sind wir in der Lage, objektiv zu beurteilen, welches Gesamtsystem die Ansprüche einer Organisation in bestem Maße erfüllt. Oder plakativ ausgedrückt: „Wissensmanagement bringt mir nichts, wenn ich unterwegs beim Kunden zwar „liken“ kann, dass mein Kollege im Büro heute 8:1 beim Kickern gewonnen hat, während das Beratungsgespräch bei meinem Kunden darunter leidet, dass ich nicht im Detail weiß, welche Referenzen wir in einer bestimmten Branche mit einer bestimmten Technologie vorweisen können.“

Wen sollte ich befragen? Und was soll ich fragen?

In seiner Grundidee verfolgt jedes Unternehmen der Welt schon immer Wissensmanagement. Glauben Sie nicht? Ein Beispiel: Sie stellen einen neuen Mitarbeiter ein. Dieser wird von Ihren Kollegen eingelernt, ihm wird also das für seinen Job nötige Wissen angeeignet. Das ist (auch) Wissensmanagement. Und hier gelangen wir an einen Punkt, der enorm wichtig für die Beantwortung unserer Ausgangsfrage ist: „Was muss ich überhaupt wissen?“

Kollegen, die lange in ihrem Job und in ihrem Unternehmen tätig sind, wandeln das Wissen über ihre Tätigkeit in intuitive Handlungen um. Für sie wird es zum Beispiel selbstverständlich, dass ein Werkzeug sich stets nur in Koffer A oder C befindet, wenn es nicht in Gebrauch ist. Und sie wissen auch intuitiv, wo sie anklopfen müssen, wenn sich das Werkzeug nicht am angestammten Platz befindet. Diese Mitarbeiter sind Ihr sogenanntes „Wissenskapital“ und Knowhow-Träger Ihres Unternehmens. Diese Mitarbeiter sind es auch, die Ihnen die Antworten auf die „Wie?“ Fragen geben.

Sie werden aber nicht unbedingt unmittelbar darauf kommen, dass ein neuer Kollege neben vielen anderen Dingen zum Beispiel wissen muss, dass Herr Mayer stets den Zweitschlüssel für die Werkzeugkiste aufbewahrt. Und hier kommen die „Neuen“ ins Spiel. Ein neuer Mitarbeiter stellt genau die Fragen, die Ihnen darüber Aufschluss geben, welches Wissen Sie aufnehmen und bereitstellen sollten. Und wenn wir dann noch analysieren, in welchen Momenten des Arbeitslebens auf dieses Wissen zugegriffen werden soll, dann können wir tatsächlich schon eine gute Grundaussage zum benötigten Funktionsumfang eines Wissensmanagement Systems tätigen.

Wissensmanagement ist im Kern nämlich vor allem eines: Fragen stellen.

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